Anne-Marie Slaughter drückte ihre Überraschung aus, dass Sonntagvormittags so viele Menschen gekommen waren, um eine politische Diskussion zu verfolgen. Da war es eigentlich schon Mittag, denn die erste „Lecture“ der Reden über Europa 2008 begann mit einiger Verspätung. „The World Disorder and the Role of Europe“ war als Thema der, in englischer Sprache geführten, Veranstaltung im Burgtheater ausgegeben. Moderiert von Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin des Standards, diskutierten der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer, der amtierende tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg, der us-amerikanische Investmentbanker George Soros und eben Anne-Marie Slaughter, Dekanin an der Universität Princeton. Wobei, diskutierten ist eigentlich übertrieben, die Beteiligten orientierten sich eher am Titel der Veranstaltungsreihe „Reden“ über Europa, und so kam es nur ganz selten zu direkten Auseinandersetzungen. Dieses „Reden“ jedenfalls umfasste ein breites Themenfeld, angefangen von der Gegenwart und Zukunft der EU, über den Kosovo und die Beziehungen der EU zur Türkei, dem Irankonflikt und China, bis zum Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Hier möchte ich kurz die Positionen der Beteiligten zu diesen Themen skizzieren. weiterlesen ‘„Reden“ über Europa’
„Reden“ über Europa
Veröffentlicht 21. Januar 2008 Politik , Veranstaltung 0 KommentareTags: EU, Europa, Globalisierung, Politik, Veranstaltung
Monty Pythonitis macht Spaß!
Veröffentlicht 26. November 2007 Alltag , Monty Python 0 KommentareTags: Brian, britisch, Comedy, Monty Python, Parrot-Sketch
Neulich an der Uni. Ein Kollege aus der Türkei referiert über die europäische Nachbarschaftspolitik. Zum Thema EU-Betritt seines Heimatlandes meint er drei Gründe sprächen dagegen. Einer davon sei die Religion, denn: „Ihr seid alle Christen“. Von ziemlich weit hinten eine leise Stimme: „Ich nicht!“
An welche Szene des lustigsten Films aller Zeiten erinnert euch das?
Brian versucht die Masse seiner Jünger zu überzeugen die Belagerung seines Hauses aufzugeben. Es folgt einer der unscheinbarsten und trotzdem witzigsten Momente des Films „Das Leben des Brian“:
Brian: „Ihr seid alle Individuen.“
Jünger im Chor: „Ja, wir sind alle Individuen.“
Brian: „Und ihr seid alle völlig verschieden.“
Jünger im Chor: „Ja, wir sind alle völlig verschieden.“
Eine Stimme: „Ich nicht!“
Gut, die beiden „Dialoge“ sind nicht unbedingt deckungsgleich, aber für mich ähnlich genug um in schallendes Gelächter auszubrechen. Und so geht’s mir ständig, kaum ein Tag, an dem mich nicht irgendwas an einen Monty-Python-Sketch erinnert. Ein paar Beispiele:
Auf die Frage nach meiner Lieblingsfarbe (die mir übrigens viel zu selten gestellt wird) antworte ich prinzipiell mit „Blau … nein Grün, aaah“. Besuche ich eine bestimmte Freundin, begrüße ich erst ihren Papagei mit „Hallo Polly“ und erkläre ihn dann für tot, weil er mich würdevoll ignoriert. Von Karnickeln hingegen halte ich mich grundsätzlich fern. Wenn ich die tägliche Nachricht meines Mail-Providers bekomme, mein Spam-Ordner hätte x neue Nachrichten beginne ich in Gedanken zu singen: „Spam, spam, spam, spam. Lovely spam! Wonderful spam!“, und, zu Besuch bei meiner Schwester in Hart bei Innsbruck, erntete ich verständnislose Blicke, als ein zischendes „It’s“ aus mir heraus brach, nur weil eine Trachtenkapelle in der Innenstadt gerade die letzten Töne von Sousas Liberty Bell March spielte. Werde ich angerufen ertönt die Eingangsmusik von „Die Ritter der Kokosnuss“ und bekomme ich ein SMS schreit mein Handy „Oh, ich lebe!“ Besonders deutliche Niederlagen, überspiele ich mit einem „Na gut, einigen wir uns auf Unentschieden“ und bei der Hochzeit meiner Cousine konnte ich nur mit allerletzter Kraft einen Lachkrampf verhindern, als der Priester das Evangelium mit den Worten „Schaut die Lilien auf dem Feld“ begann.
Und auch wenn meine Umwelt oft nicht nachvollziehen kann, warum ich eine bestimmte Situation oder Äußerung so komisch finde – ich bin dankbar für meine Monty Pythonitis, sie macht das Leben um einiges amüsanter.
P.s.: Einige der Zitate sind mit dem jeweiligen Sketch verlinkt (YouTube machts möglich), hinschauen lohnt sich!
Das rote Notizbuch
Veröffentlicht 23. November 2007 Literatur 2 KommentareTags: Auster, Literatur, Rezension, Zufall
“Das rote Notizbuch” ist ein kleines Buch von Paul Auster, auf das der Titel dieses Blogs zurückgeht. Es enthält eine Reihe von Geschichten aus dem wirklichen Leben, die alle mehr oder weniger vom Zufall bestimmt sind. So erzählt der Autor von der zufälligen Begegnung zweier junger Frauen in Taipeh, die während ihres Gesprächs entdecken, dass ihre beiden Schwestern im selben Stock des selben Hauses in New York wohnen, oder vom Onkel eines Freundes, der als serbischer Partisane dreimal unmittelbar hintereinander einen feindlichen Beschuss überlebt - wobei der letzte ihn vor einer Beinamputation bewahrt.
Auster steuert bei allen Geschichten schnell und ohne Umwege auf das verbindende Element, den Zufall, zu, wodurch ein eindrucksvolles Ganzes entsteht, schlicht und ohne unnötige Schnörkel.
Eine Erzählung, die mir besonders gut gefallen hat, ist die über R, der nach einer langen, vergeblichen Suche nach einem ganz bestimmten Werk in der Vanderbilt Avenue, New York auf eine junge Frau trifft, die genau dieses Buch in der Hand hält. Als er sich erkundigt ob sie wisse wo er es kaufen könne, kommt es zu diesem Dialog:
„Nehmen Sie meins“, antwortete die Frau.
“Aber das gehört Ihnen“, sagte R.
“Es hat mir gehört“, sagte die Frau, „aber jetzt bin ich damit fertig. Ich bin heute hierhergekommen, um es Ihnen zu schenken.“
Auster, Paul 1996: Das rote Notizbuch, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg.