Beatrix Karl – Schöne neue Ära?

In der aktuellen Ausgabe der Protestzeitung über.morgen meldet sich die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl höchstpersönlich zu Wort. Der Gastkommentar beschwört mit großen Worten die Bedeutung des Hochschuldialogs, ohne auch nur einen Moment lang konkret zu werden.

Das Finale des Dialogs im Juni soll nicht das Ende der gemeinsamen Gespräche sein, sondern der Beginn einer neuen Ära der Hochschulpolitik und kontinuierlicher weiterer Diskussionen, zu denen ich schon jetzt alle herzlich einladen möchte, die sich konstruktiv in die Gestaltung des tertiären Bildungssektors einbringen möchten.

„Neue Ära“, das klingt bedeutungsvoll und beeindruckend, ist aber vor allem sehr unkonkret. Der Dialog sei „konstruktiv“ und seine Ergebnisse werden für sie „wichtige Empfehlungen“ darstellen, schreibt Karl. Als ihre Verantwortung sehe sie „qualitätsvolle Ausbildung“ und natürlich auch Bildung zu garantieren. Der Dialog habe ein großes Ziel, „eine Grundlage und einen Schulterschluss für unser gemeinsames Anliegen: die Zukunft unserer Universitäten“ zu erreichen.

Die Zukunft der österreichischen Universitäten als „neue Ära“. Was das wohl bedeuten mag? Vor meinem inneren Auge sehe ich demokratische, offene, freie und gut ausgestattete Universitäten. Studentische Mitbestimmung und hoch motivierte, anständig bezahlte Lehrende. Studienpläne, die Studierende zum selbstständigen Lernen und Organisieren anhalten und Seminare, deren Größe die Diskussionen erlauben, die wir alle vom Studieren erwarten. Ich sehe Universitäten, die sich über einen großen Andrang junger Menschen freuen und ihnen allen das bestmögliche Bildungsangebot bieten, dass das siebentreichste Land der Welt bieten kann. Eine schöne „neue Ära“.

Aber da war doch noch was? Wenn ich an den Antritt der neuen Wissenschaftsministerin denke, spukt ein anderes Bild in meinem Kopf herum. Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Eines ist ihr wichtiger als das andere. Ist es wichtig welches? Bei der ersten Rede im Parlament als Ministerin, in zahlreichen Interviews und im Standard-Chat sprach sich Karl immer wieder für Studiengebühren aus. Denn das System habe sich „bewährt“, da sie aber keine Mehrheit dafür bekomme, sei die Wiedereinführung „im Moment“ vom Tisch. Konzepte abseits von Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen gibt es im Wissenschaftsministerium offensichtlich noch immer nicht.

Es hat uns überrascht, dass die neue Ministerin den Gastkommentar für die aktuelle über.morgen höchst-persönlich schrieb. Der Ton der Wortmeldungen zum Thema Dialog mit Studierenden, die Pläne für ein öffentliches Treffen mit ÖH und Protestbewegung – einiges hat sich geändert im Ministerium. Doch dort worauf es eigentlich ankommt – die Perspektiven und Strategien für die Gestaltung des Hochschulsektors – da kräht die neue Ministerin genau wie ihr Vorgänger.

Schöne neue Ära?

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